Kurzinhalt: Buddha gab seinen Schülern die folgenden sechs Ratschläge, wie sie eine liebevolle Einstellung und positive Handlungen zum Besten anderer zum Teil ihres eigenen Weges zu Befreiung und Erleuchtung machen konnten.

   Die Einstellung
   Die Handlungen


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"Non scolae sed vitae discimus!" Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.

Was bei den alten Römern galt, führt auch zur klaren Sicht auf Buddhas Lehre. Buddhas Lehrsystem ist lebensnah. Als Buddha bei seiner Erleuchtung gefragt wurde: "Warum lehrst Du?" war seine Antwort ganz schlicht: "Weil alle Wesen Glück wünschen und niemand leiden will." Auf die Frage: "Was lehrst Du?", war seine Antwort: "Ich lehre, wie die Dinge sind!"
 
Schnell kann man sehen, dass Buddha in der Art eines guten Lehrers an die Erfahrungen seiner Schüler und Freunde anknüpfte. Er zeigte, wie mit dem zu arbeiten ist, was schon als Anlage vorhanden war.
Im Fall des Großen Weges war die Einstellung seiner Schüler, dass es allen Wesen gut gehen soll. Über die eigenen Wünsche nach Glück hinaus waren sie bereit, ihren schon vorhandenen Überschuss mit anderen zu teilen und eingeengte Gedanken und Konzepte als Projektionen ihres Geistes zu durchschauen, ohne sie ernst zu nehmen (Mitgefühl + Weisheit). Sie hatten den Wunsch, sich selbst zu entwickeln, um mehr an andere geben zu können.

Da eine reiche menschliche Begegnung schon Teil des persönlichen Ausdrucks der Leute war, gab Buddha vertiefende Ratschläge, wie eine liebevolle Einstellung und positive Handlungen zum Besten anderer ein Teil des eigenen Weges zu Befreiung und Erleuchtung sind.
Diese Lehren sind Grundlage des Großen Weges und finden sich in den Erklärungen über den "Erleuchtungsgeist" (Bodhicitta). Sie werden gegliedert in das Streben und die Anwendung.



1. Streben bezieht sich auf die Entwicklung der Einstellung. Buddha rät, vier Qualitäten zum Nutzen von anderen und uns selbst zu vertiefen.


Es sind dies: Liebe, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut. (Die Vier unermesslichen Wünsche)
   
 

2. Jede Einstellung prägt die Qualität folgender Handlungen.

In den Lehren zur Anwendung zeigte Buddha, wie sich die Einstellung mehr und mehr spontan als 6 Befreiende Handlungen (6 Paramitas) ausdrückt. Diese sind auch die Handlungen der Bodhisattvas.

1. Großzügigkeit
2. sinnvolles Verhalten
3. Geduld
4. freudige Anstrengung
5. Meditation
6. Weisheit


Die ersten vier dieser sechs Handlungen sind Merkmale jeder erfreulichen menschlichen Beziehung. Durch Meditation und Weisheit werden sie noch geschickter und schließlich befreiend. Über den Nutzen für andere hinaus ist "ein guter Mensch sein" im Buddhismus mehr als Selbstzweck. Das ist die Basis, die die Bedingungen zur Erkenntnis der Natur des Geistes schafft.

Großzügigkeit ist das Teilen von Materiellem, der eigenen Kraft und guten Gefühlen. Sie schafft Vertrauen und Offenheit, macht jede Begegnung reich und löst Anhaftung im eigenen Geist.

Sinnvolles Verhalten, bisweilen auch Ethik genannt, hält menschlichen Austausch in Gang und ist Grundlage für mehr Wachstum. Es bedeutet, Ursachen für Schwierigkeiten zu vermeiden und anderen so viel zu nützen wie möglich.

Geduld
schützt den positiven Aufbau durch Ertragen von allen Arten von Schwierigkeiten. Wer voller Mitgefühl ist und in jeder Lage einen entspannten Geist behalten kann, kann durch nichts gestört werden.

Freudige Anstrengung
bedeutet, dass wir immer unser Bestes geben und mit Dauerkraft zum Besten für andere und uns selbst arbeiten.

Meditation
schafft Raum und Freiheit im eigenen Bewusstsein. Innerlich sieht man auf der Grundlage einer guten Konzentration die Gedanken und Gefühle, wie sie erscheinen. Äußerlich erfährt man die Wesen und die Welt aus freier Sicht. Die persönlich begrenzte Wahrnehmung von Anhaftung und Abneigung, Erwartung und Befürchtung etc. weicht der Einsicht in die vielfältige Bedingtheit aller Erscheinung, der Erfahrung "wie die Dinge sind" - dies führt zu

Weisheit - hier findet ein vollkommenes Unterscheiden aller Dinge statt und es wird erkannt, dass Subjekt, Objekt und Tat Teile derselben Ganzheit sind. Allgemein betrachtet wird der Weg zur Erkenntnis der Natur des Geistes (Erleuchtung) durch den Aufbau der zwei Ansammlungen - positive Eindrücke und Weisheit - vervollkommnet.


Die Quantität des Positiven ermöglicht die Qualität letztendlicher spontaner Einsicht (Weisheit). Die ersten vier der Befreienden Handlungen schaffen unendlich viele positive Eindrücke im Geist. Aus positiven Eindrücken entsteht mehr Weisheit. Meditation schafft weitere gute Eindrücke und ist eine besondere Voraussetzung für die Entwicklung von Weisheit. Die Verwirklichung von Weisheit ist somit die Folge der fünf ersten Befreienden Handlungen. Letztendliche Weisheit aber ist spontaner Ausdruck des Geistes, wenn er frei von jeder Begrenzung und im vollen Besitz der Verwirklichung seiner unbedingten Eigenschaften von Furchtlosigkeit, Freude und aktiver Liebe ist.
     
 

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Was ist buddhistische Meditation?  
Liebe, Mitgefühl und Weisheit  


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