Kurzinhalt: Anhand dreier Beispiele zeigt dieses Kapitel, wie unterschiedliche Gesellschaften und Kulturen den Buddhismus prägten.

   Kultur und Buddhismus
   Beispiel 1: Indien zur Zeit Buddhas
   Beispiel 2: Buddhismus in Tibet
   Beispiel 3: Buddhismus im Westen


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Der Buddhismus beinhaltet ein Wissen und Erfahrungen, die zeitlos und unabhängig von einer bestimmten Kultur sind. Deswegen konnte er sich auch in vielen verschiedenen Ländern verbreiten, wie z.B. in Indien, Zentralasien, Sri Lanka, Thailand, Burma (Myanmar), Vietnam, Kambodscha, Laos, China, Japan, Vietnam, Korea, Tibet und der Mongolei. Nach den ersten zaghaften Annäherungen des Buddhismus von Seiten einiger Philosophen (z.B. A. Schopenhauer), Schriftsteller (z.B. H. Hesse) und anderen beginnt sich der Buddhismus seit den 70er Jahren auch im Westen zu etablieren.
 
Wie sich die buddhistische Lehre im praktischen Alltag ausdrückte, hing stets von den verschiedenen Kulturen und den entsprechenden Epochen ab.

Zudem traten in den verschiedenen Ländern jeweils unterschiedliche Aspekte von Buddhas Lehre in den Vordergrund. Buddha hatte 84.000 Erklärungen gegeben, die nach seinem Tod in drei verschiedenen Richtungen zusammengefasst wurden. Sie heißen Theravada, Großer Weg und Diamantweg. Während sich der Theravada in Indien und in den südostasiatischen Ländern verbreitete, wurde vor allem in den nordostasiatischen Ländern der Große Weg praktiziert. In Tibet setzte sich der Diamantweg-Buddhismus durch. Im Westen, je nach Staat, trifft man alle Richtungen, verstärkt jedoch den Diamantweg.

Drei Beispiele sollen den Einfluss verdeutlichen, den die politischen und gesellschaftlichen Strukturen der verschiedenen Kulturen auf den Buddhismus hatten.
   
 

Beispiel 1: Indien zur Zeit Buddhas

Als Buddha in Indien erleuchtet wurde, herrschte dort das hinduistische Kastenwesen,
zudem wurden Frauen geringer geschätzt als Männer. Als Buddha zu lehren begann, kamen
zuerst Brahmanen zu ihm, die er später als Mönche in seine Gemeinschaft aufnahm. Bald
darauf lehrte Buddha auch Männer aus anderen gesellschaftlichen Schichten – ein revolutionärer
Schritt, der das damals tonangebende Kastensystem innerhalb von Buddhas
Gemeinschaft praktisch beseitigte. Auch die Aufnahme von Frauen in Glaubensgemeinschaften
galt in der damaligen indischen Gesellschaft als Tabu. Um ihnen die buddhistische
Praxis zu ermöglichen, gründete Buddha erstmals sogar Nonnenorden. Somit schöpfte
Buddha die Möglichkeiten, welche die damalige Gesellschaft bot, so weit wie möglich aus.
   
 
 
 
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Beispiel 2: Buddhismus in Tibet

In Tibet gab es drei Gruppen von Praktizierenden.

Zum einen waren da Mönche bzw. Nonnen. Praktisch jede Familie schickte ein Kind in ein Kloster, um es als Mönch oder Nonne ausbilden zu lassen. Die Familien unterstützten dann das Kloster mit Naturalien. Im damaligen Feudalstaat Tibet waren Klöster nicht nur religiöse Ausbildungsstätten, sondern gleichzeitig Schulen, Universitäten und Verwaltungszentren. Auch medizinische Hilfe bekam man oft nur in Klöstern.

Die zweite Gruppe von Praktizierenden bestand aus Laien. Sie finanzierten den Unterhalt der Klöster und praktizierten den Buddhismus meist mit einer kurzen täglichen Meditation oder bei besonderen Gelegenheiten, wie z.B. Festen.


Die dritte Gruppe wurde "Verwirklicher" (Yogis) genannt. Sie bevorzugten einen ungebundenen, oft unkonventionellen Lebensstil und verbrachten zum Beispiel oft Jahre in Höhlen, um dort zu meditieren.

In Tibet war der Staat fast vollständig vom Buddhismus durchdrungen: von der staatlichen Führung (den Dalai Lamas) über die verschiedenen Diamantweg-Schulen mit ihren jeweiligen Oberhäuptern bis hin zum täglichen Tagesablauf des kleinen Mannes.
   
 

 
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Beispiel 3: Buddhismus im Westen

Die anfängliche Attraktivität des Buddhismus machte nicht nur die Lehre selbst aus, sondern auch deren asiatisch-exotisches Erscheinungsbild.

Inzwischen haben sich die unterschiedlichen buddhistischen Richtungen teilweise von ihren jeweiligen asiatischen Traditionen entfernt und lehren und leben zunehmend einen westlichen Stil. Dabei sind in einigen Staaten (z.B. Frankreich) eher Mönche und Nonnen die Übermittler der Lehre, in den deutsch-sprachigen Staaten sind die Laien sehr weit verbreitet, in weiteren (z.B. den USA) gibt es unterschiedliche Mischformen.

Verwirklicher (Yogis) sind im Westen selten anzutreffen. Sie verpflichten sich keiner gesellschaftlichen Norm - oft entspricht ihr Lebensstil nicht der politischen "Correctness" - sondern der absoluten Wahrheit. Sie üben sich in der "Reinen Sicht" in der jedes Wesen potentiell Buddha ist.

Der Laienbuddhismus versteht sich als eine Möglichkeit, die Lehren in den Alltag zu integrieren. Verhalten, Einstellung, Sichtweisen und Meditationen werden immer mehr zum Leben selbst. Buddhistische Meditationshäuser oder Zentren bieten darüber hinaus die Möglichkeit, gemeinsam zu meditieren und Belehrungen und allgemeine Informationen zu bekommen.

Mönche und Nonnen entsprechen wenig dem allgemeinen
Lebensstil. Allerdings haben auch hier Menschen eine Chance,
positive Eindrücke in ihren Geist zu setzen, indem sie den täglichen
Herausforderungen des Lebens entsagen und manchmal
oft jahrelang abgeschirmt meditieren. Auf diese Weise werden
alle menschlichen Neigungen vom Buddhismus "bedient".
 
 

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